herbert müller
 

Texte zur Arbeit

"Kornfeld im Sommer", Öl auf Japanpapier, 54 x 64 cm, 2014  

Texte zur Arbeit


Dr. Helmut Eichhorn, ehem. Direktor des Landesmuseums Emden

Die Arbeiten von Herbert Müller über das KZ Engerhafe

Vom 21.10. bis zum 22.12.1944 gab es in dem ostfriesischen Bauerndorf Engerhafe eine Außenstelle des KZ Neuengamme. In dem Lager, das in unmittelbarer Nähe der mittelalterlichen Dorfkirche stand, wurden etwa 2 000 Männer verschiedener Nationen gefangen gehalten. Sie waren zu Arbeiten am Panzergrabenbau um Aurich eingesetzt, einem Teil des sogenannten "Friesenwalls".

Unter den unmenschlichen Bedingungen – der Winter war hart, die Ernährung schlecht, die Bekleidung unzureichend, die Behandlung grausam – kamen 188 Menschen zu Tode. Die Anzahl und Namen der Toten wurden jeden Tag auf Beerdigungs- oder Totenzetteln festgehalten, die man nach dem Krieg gefunden hat.

1952 wurden die Toten, die in einem Massengrab neben dem Friedhof verscharrt worden waren, durch eine Alliierte Kommission exhumiert, nach Möglichkeit identifiziert und neu bestattet.

Herbert Müller hat sich seit 1989 in seiner Kunst mit diesem Lager beschäftigt, es entstanden Reihen von Gemälden und Zeichnungen über die Situation der gefangenen Menschen und die Reaktion der Bevölkerung in Engerhafe. Mit seiner ergreifenden, imaginativen und gestalterischen Kraft verstand es der Künstler, Licht in die dunkelgraue Anonymität zu tragen, dieses erschütternde Schicksal der namenlosen Häftlinge ins Bild zu bringen – und für jedermann nacherlebbar werden zu lassen.

Müllers Bildverständnis vom Landschaftlichen spielt eine entscheidende Rolle für die Bildanlage und die Komposition. Die Häftlinge werden in den ostfriesischen Landschaftsraum gestellt: Verhangen, dunstig malt er seine graublauen und graugrünen Farbtöne, in blassem Violett erscheint das Mauerwerk der Kirche, eine dunkle Landschaft steht für das Grauenhafte des Geschehens. Blatt für Blatt entsteht so im Jahre 1989 ein Zyklus über die Leidensgeschichte jener 188 Toten und einiger hundert Überlebender, die offenbar von Menschen mitten in unserem Land vergessen worden waren. In den Aquarellen der 90er Jahre erfährt diese Auffassung eine Steigerung durch Reduktion: Der Künstler reduziert das Landschaftliche auf einen dunklen Raum, schwarz, blau dunkelblau. Das Kolorit wirkt belastend, es sind Bilder der Dunkelheit, in der sich die weißgrauen, ausgemergelten Gestalten wie merkwürdige letzte Lichtzeichen bewegen.

Ergriffen von dem Leiden der Unschuldigen entwickelt Herbert Müller seine Vorstellungen der geschichtlichen Wirklichkeit: Die Gefangenen lebten nicht nur mit Hunger und Krankheit, sondern in ständiger Todesangst. Aus der Entwürdigung wurde eine Entwertung des Lebens – bis hin zur Vernichtung des Individuums.

Aus Schilderungen von Zeitzeugen, Kindern damals, erwuchsen die Kohlebilder. Noch mit der Holzstange in der Hand steht der Kapo neben dem auf dem Boden Liegenden. Die schwarze Kohlezeichnung verbildlicht die unbarmherzige Härte des Geschehens. In der einfühlsamen Formensprache ist der auf dem Boden Liegende nur scheinbar etwas Wertloses, neben dem der Totschläger steht, der sich selbst menschlich entwertet hat.

Die seit 2005 entstandenen Schädelportraits sind gesteigerte Begegnung mit Gewalt und Tod: Licht und Form werden in eine aschgraue Anonymität gebracht, auch wenn dies im Grenzbereich des Ertragbaren liegt. Gerade als Individuen waren die Opfer im Massengrab ausgelöscht worden. Aber in der Portraitreihe ist jeder Totenkopf anders, einzigartig. Der Maler gibt den Geschändeten ein Stück ihrer Individualität zurück, wahrt mit künstlerischen Mitteln ihre Würde. Der Duktus ist suchend, bebend, aber kräftig expressiv, die Erschütterung führt die zeichnende Hand. Mit diesen gestalterischen Prinzipien, den inneren Ordnungen des Figürlichen, des Raumes und des Antithetischen erarbeitet Müller die Bildtypologie. Das Gegenständliche wird gleichwohl zeichenhaft, symbolisch, das Bild wird unmittelbar aus dem Inneren des Künstlers geboren.

Die Bilder stehen vor uns als Hieroglyphen des finstersten Kapitels der deutschen Geschichte, niedergeschrieben mit einer eigens dazu gefundenen Bildsyntax. Wir können uns hineinversetzen, sie zu Innenbildern machen.

Sie halten etwas fest: für heute, für Jahre und Jahrzehnte, für die Kommenden der nächsten Generation. Der hohe kulturelle Wert dieser Werke liegt darin, dass in ihnen die Geschichte vom Leid wehrloser Menschen aufgehoben ist, eine Geschichte von Gewalt, Unfreiheit, Entmenschlichung und Tod.

Diese Bilder stehen für Engerhafe, für Neuengamme, für viele andere Stätten in Deutschland und auf der Welt; sie gestalten Erschütterndes, zeigen rohe Verachtung und sind im Kern ihrer Aussage Botschaften des Erinnerns und Zeichen des Ermahnens.

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Dr. Friedrich Scheele, Direktor des Landesmuseums Emden

Die Landschaftsmalerei Herbert Müllers

Landschaftsmalerei in Norddeutschland ist gedanklich untrennbar verbunden mit Holland im 17. Jahrhundert, mit deutscher Romantik, mit Dangast und anderem mehr. Aber Herbert Müller, geboren 1953, heißt nicht Wouvermann oder Caspar David Friedrich oder Franz Radziwill. Und doch: Es ist implizit ein Splitter von alledem spürbar.

Herbert Müllers Arbeiten handeln vom Wasser und vom Himmel und vom Land. Aber sie sind nicht Bilder von der Schelde oder vom Riesengebirge oder vom Deichdurchbruch. Sein Motto: „Was ich mache, das bin ich selbst“ kennzeichnet seine Empfindung, den Geist der Natur zu erkennen und mit ganzem Herzen und Gemüt zu durchdringen, aufzunehmen und wiederzugeben. In ihrem hohen Grad an Abstraktion bekommen seine Bilder einen hohen Grad an Allgemeingültigkeit.

Sein Atelier liegt dort, wo Herbert Müller als Kind aufgewachsen ist: in der Landschaft. Ähnlich wie in seinem Elternhaus am Stadtrand in Norden kann der Künstler aus seinem Atelier unendlich weit hinaussehen: kein Haus, nur eine kleine Straße vor seinen Fenstern teilt ein wenig den Blick auf die weite Landschaft. Und vielleicht ist auch dieses Land in seiner ständigen Veränderlichkeit von Tages- und Jahreszeit und Wetter zwischen sommerlich klarer Heiterkeit und hier und da dramatischem Herbststurm, wenn Wasser und Land eins zu werden scheinen, sein Ort der Inspiration. Nicht Motiv, sondern unaufhörlicher ideen- und Bildgeber. Und der Weg des Künstlers geht dann nach innen, zu inneren Bildern. Man möchte sagen: im Sinne Caspar David Friedrichs.

Gleichwohl sind seine Bilder keine Psychogramme. Denn bei alledem geht der Maler und Aktionskünstler Herbert Müller in den gedanklichen Ansätzen seiner künstlerischen Arbeit intellektuell planend an das Bild heran.

Wesentliche Grundlage der Kunst-Arbeit von Herbert Müller ist das gemalte Farbbild, welches gleichsam Handlungsraum für manche weiteren Facetten bietet und von ihm in seinen Arbeiten weiterentwickelt wird.

Hinzu tritt die Linear-Kunst und das Zeichnerische. Auffällig ist die Linie, die keine Hilfsfunktion besitzt, im Grunde nie dem Ungegenständlichen dient, vielmehr stets dem Inhaltlichen, wenn auch z.T. in abstrakter Form. In der Form wird erzählt, gestritten, auf den Punkt gebracht, auf jeden Fall bisweilen ungemein kräftig agiert. Herbert Müller ist ein hervorragender Zeichner, der aus wenigen Strichen oder Fragmenten eine überraschende Zahl unterschiedlichster Charakteristika vor der Natur entwickelt.

Sein Blick war und ist stets auf die Natur gerichtet, die er dann manchmal in wenigen schnellen Strichen festgehalten hat. Häufig ist das Skizzenbuch später aber wenig mehr als nur eine Gedächtnisstütze.

Herbert Müllers Bilder sind Objekte, die – je nach persönlicher Lebenswelt – den Betrachter wohl nie gleichgültig lassen. Denn aus jedem Bild tritt die empfindsame starke künstlerische Persönlichkeit hervor, die dennoch bescheiden quasi wieder hinter das Bild zurücktritt, das statt seiner den Kontakt zum Betrachter sucht.

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Heiko Jörn schrieb in der Juni-Ausgabe des Ostfrieslandjournals 1987 über die "Bilder vom Krieg", Aquarellzyklus aus den Jahren 1983 – 1987:

Neben meditativen Landschaften wächst seit 1983 ein Zyklus Figurenbilder heran: zunächst einzelne Soldaten und Begegnungen, dann ganze Kolonnen Marschierender oder Reiter, die im Nebel hinziehen, schließlich genrehafte Szenen aus Lazarett und Lager im Krieg; alle schemenhaft, in kalten Grautönen, manchmal leicht mit dem weichen Bleistift überzeichnet, um Gesichter, Details von Uniformen, ein Requisit der Zeit festzuhalten, oft aber nur in den Farbschwebungen des Japanpapiers angedeutet.

Ein österreichisches Schwadron zieht im Ersten Weltkrieg durch die Karpaten: es ist Winter, Schneetreiben hüllt alle ein, die Kälte hält sie gefangen; die Soldaten verlieren sich in der Weite, überschreiten im Sturm auf die Stellung des Feindes jene Grenze, "die nicht eigentlich im Tode, sondern in jener Zeit und in jenem Raum, die zwischen dem Sterben und dem wirklichen Totsein liegen", ausgespannt ist. Die Novelle des österreichischen Dichters Alexander Lernet-Holenia (1897 -1976) "Der Baron Bagge" (1936) führt uns in ein träumerisches Zwischenreich des Todes. Der Krieg ist dabei die Kraft, jedes Lebensschicksal auf sein Ende zuzutreiben als auch das Leben mit unmerklichen Banden in Traum zu verwandeln.

Ein gesammelter Zeitungsband der "Deutschen Kriegszeitung" von 1916 traf mit der Lektüre der Novelle und den Schriften Lernet-Holenias zusammen, und der Künstler hat ein Thema gefunden, das ihn über Jahre ergreift.

Die Einsamkeit der Menschen in der Landschaft, ihre schmerzliche Verlassenheit, ihre Einbindung in das Kriegsschicksal, das sie aus dem allgegenwärtingen Grau nicht entlässt, sie gefangen hält, dies Los gestaltet der Künstler in einfühlsamen, sensiblen Bildern. Er bleibt wie in seinen meditativen Landschaften immer Beobachter der Vorgänge auf den Blättern, greift hier zu einem Zitat aus den Zeitungsbildern, dort zu einem schmerzlichen Klang, dann wieder hüllt die dunstige Helle die Figuren ein. Die manchmal burleske Darstellung der Soldaten, die Verschiebungen der Figurenproportionen, die stille Wiedergabe der Ereignisse im kalten Nebel zeigen uns eine Interpretation eines Kriegsgeschehens, das sich aus dem literarischen und historischen Zusammenhang herauslöst und tief erschüttert: Das Gefangensein der Menschen, das auch ihre Freude, ihre Sehnsucht bestimmt und färbt, die Unentrinnbarkeit des Kampfes, die Einsamkeit jeder Person hinter der markanten Uniform, all dies Erkennen spricht mit Deutlichkeit von der Grausamkeit des Krieges. Der Künstler, der ihn gestaltet, nimmt die literarische Folie, die historische Quelle und schafft ein leises, ein transparentes Bild, durch das die Schrecken ihre Schatten werfen können.

Heiko Jörn fügt dem Text zwei Zitate hinzu:

"Die einzelnen Reiter sahen, auf Entfernung, aus wie kleine, nach Rückwärts abfallende Dreiecke, und von den vielen roten Hosen schien das Schneefeld wie von winzigen Bluttropfen übersprüht. Schwach, wie fernes Krähen von Hähnen, schwebte das Blasen der Trompeten mit dem Wind daher." (A. Lernet-Holenia, Der Baron Bagge)

"Ich glaubte in einem Albtraum zu liegen, und wie in einem Träume schien es mir auf einmal unmöglich, sich aus eigenem Willen zu bewegen, zu sprechen oder zu schreien, vielmehr folgte ich ganz zwangsläufig und ohne jede Einwirkung auf mein Pferd dem Zuge der anderen, die ich fortwährend fragen wollte, was dieser Irrsinn bedeute."

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Dr. Helmut Eichhorn über die Bildreihe 'Jüdische Friedhöfe'

Eröffnung der Ausstellung „Stille der Landschaft“ , Schlossmuseum Jever, 1998

Die Grabsteine stehen für Menschen. Jeder Stein ist ein Individuum, etwas Besonderes, Persönliches mit eigener Farbigkeit, Helligkeit, mal mehr zurücktretend, mal hoch aufgerichtet, mal schräg stehend, immer aber vom Alter, vom Dasein gezeichnet.

Herbert Müller versteht es, eine dieser Vielfalt entsprechende samtweiche Polychromie zu entwickeln, wo einmal das matte Moosgrün oder Olivgrün auf den zartgelben Kalksteinen die Bildstimmung charakterisiert oder ein zartes Blaugrün vorherrscht. Andere Grabmonumente sind wieder in dunklen Farben gehalten, zeigen die Lichtverhältnisse der Dämmerung.

Diese Gemälde haben das Format und den Anspruch, zu Bildern des Gedenkens geführt bzw. gesteigert worden zu sein. Man soll nachdenken über die individuelle Existenz, über das Schicksalhafte des Lebens.

Keine Frage, dass hier die Assoziationen zu den Ruinen von Klöstern und Kirchen im Werk Caspar David Friedrichs auftauchen, und je mehr man diese Bilder – gerade auch die Landschaften – in der Vorstellung hat, um so deutlicher wird, dass hier - in dieser Kunst unserer Tage - ein spürbar romantisches Element mitschwingt. Wie bei einem Romantiker geht auch hier ein reflektiertes Naturerleben vorauf. Die Romantik ist die Suche nach der Verbindung mit der Natur – im frühen 19. Jahrhundert als Reaktion auf den Rationalismus der Aufklärung. Jetzt, im späten 20. Jahrhundert, eine Reaktion auf Herrschaft elektronischer Medien, Hektik und Lebensproblematik.

Seine Bildintention ist das von allen Bagatellen, von Nebensächlichkeiten befreite Naturraumbild zu schaffen. Die Stille bewusst zu machen ist das Ziel seiner Gestaltung. Die Stille in den Bildern Herbert Müllers ist eine bereichernde Stille, also für jeden Betrachter eine lebendige Stille. Das Schweigen, das man braucht, um gut zu hören – und in sich hineinzulauschen. Da ist auch die Stille und dasselbe Schweigen, um durch diese Bilder nach Innen zu blicken.

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Dr. Helmut Eichhorn, ehemaliger Direktor des Landesmuseums Emden

Mythos und Geheimnis des Landschaftlichen – die Landschaftskunst von Herbert Müller

Selten findet man bei einem Maler unserer Tage ein so behutsames, feinfühliges malerisches Agieren, ein so vom Durchempfinden eines Themas oder Motivs herkommendes Gestalten wie im künstlerischen Vortrag Herbert Müllers.

Aus dem Impressionismus, einigen Formen expressionistischer Formgebung verbunden, entwickelt er im Landschaftlichen eine eigentümliche Vermittlungswelt:

Er versteht es, etwas vom Geheimnis, vom Mythos des Landschaftlichen vor Augen zu stellen, traumhafte Stille erlebbar zu machen, erarbeitet das Landschaftlich-Wesentliche mit unmittelbar verstehbaren Landschaftsstrukturen.

Diaphan erscheinen seine sensiblen, feinfühlig modellierten Binnenflächen; zurücktretend aber bestimmt sind die Umrisse, Konturen und Begrenzungslinien: Im Landschaftlichen atmet die eingefangene Atmosphäre.

Im Ölbild wie im Aquarell gilt: Transparenz der Farbe, die Lichtverhältnisse zu organisieren, das reizvolle Wechselspiel tages- und jahreszeitlicher Erscheinungen zu reflektieren. Den Motivschatz übernimmt er aus der Natur, die Skizzen setzt er dann im Atelier um. Eine Kostbarkeit sind seine Wasserfarbenbilder auf Japanpapier, die er in weichtonigen, friedvollen Farbmodulationen mit flüssigen Übergängen außerordentlich ausmalt!

Es entstehen Landschaften unseres Küstenraumes wie im Dunst liegend. Die Erscheinungen des Landschaftlichen finden bei Müller den Weg zur reinen Kontemplation, do dass man sie sich sogleich zum Eigentum seines Inneren machen kann.

Die Bilder bieten Momente der Versunkenheit, übertragen das in sich versunkene Sein, schenken das seltene Glück der vertieften Form der Besinnung bis hin zur Selbstversunkenheit.

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Dr. Lübbert Haneborger

Zu den Arbeiten von Herbert Müller

Zu den vorzüglichsten Aspekten der Kunst Herbert Müllers zählt die besondere Begabung das atmosphärische Zwischen von Licht, Schatten und Witterung oder von Ausdruck und Individualität stimmungsvoll und zugleich lebendig zu fassen - und damit den Geist der Natur und das Antlitz des menschlichen Gegenübers zu durchdringen.

Ob in seinen Historienbildern oder in seiner Landschaftskunst, immer stiftet dieser atmosphärische Raum zwischen dem Betrachter und dem Bildinhalt eine poetische Spannung - eine Spannung, die die beobachteten und erlebten Außensituationen in gefühlte, innere Bilder verwandelt.

Die jahrzehntelange konzentrierte Auseinandersetzung insbesondere mit der norddeutschen Landschaft führte den 1953 in Norden geborenen Maler und Grafiker zu kontemplativen Bildfindungen, die das gewählte Thema reflektieren und ihn damit zurecht zu einem der renommiertesten Vertreter des poetischen Realismus und einer engagierten Historienmalerei in Ostfriesland und den benachbarten Niederlanden machen.

Immer wieder zog es ihn aber auch in die Ferne. Den gesamten Mittelmeerraum bereiste Müller, er besuchte mehrmals Griechenland und Zypern, skizzierte und malte aber auch an historischen Stätten in Ägypten, Neben diesen klassischen Orten antiker Hochkultur, zog es Müller in die karge Landschaft Schottlands und nach Holland und Polen, Im Herbst 2005 bereiste er den fernen Osten und traf In Kambodscha auf ein Spannungsfeld aus gelebtem Alltag und belastender Geschichte.

Eine Thematik, die ihn auch in der Heimat mit Bezug auf das KZ Engerhafe seit vielen Jahren umtreibt, Und so gelang dem Künstler schließlich im letzten November mit dem in der Kirche von Engerhafe gezeigten Ausstellungsprojekt „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst“ eine viel beachtete Aufarbeitung und Mahnung an die Opfer sowohl des ostfriesischen Konzentrationslagers als auch an jene des Pol Pot-Regimes der Roten Khmer.

Müller sagt: „was ich mache, das bin ich selbst“ und seine Bildintention ist das von allen Bagatellen befreite Naturraum- und Menschenbild. Und das scheint in seinen herrlich schwebenden Aquarellen mit ihrer porösen Durchflochtenheit von malerischer Handlung, fein akzentuierter Farbgebung und der Fasrigkeit des handgeschöpften Japanpapiers Im besonderen Maße aufzugehen. Die dunklen atmosphärischen, zuweilen farblich aufgeladenen Bilder von der Küste lassen dies erkennen und leicht die Stimmung von Stormscher Lyrik und der romantischen Bilderwelt eines Caspar David Friedrich, aber auch die Farbmagie eines Emil Nolde wach werden. Dann wieder ist es die spannungsvolle Situation des Wetterleuchtens zwischen intensiv strahlenden Getreide- und Rapsfeldern und einem herannahenden Gewitter, die seine Ostfrieslandbilder prägt und fast wie ein Psychogramm in das Gemüt von Mensch und Küstenraum scheinen. Gedämpfte fast melancholische Farbnuancen und ungebrochene Farbkontraste stehen sich bei Müller gegenüber.

Die Landschaft wird zum Sinnbild einer inneren Zuständigkeit. Durch ihren hohen Grad an kompositorischer Eleganz und Präzision gewinnen die Arbeiten aber gleichzeitig auch eine abstrakte Qualität, die das Allgemeingültige und Ewige in ihnen zum Vorschein bringt.

 

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.:  Herbert Müller - An den Wilden Äckern - 26624 Fehnhusen 18  :.